☕ Blick hinter die Kulissen
Es gibt Sätze, die sollte man in meinem Leben nicht mehr leichtfertig aussprechen.
„Ich gehe nur kurz in den Pool.“
Zum Beispiel.
Wir wissen inzwischen, wohin das geführt hat.
Für alle, die meine Karriere als rücklings gestrandete Schildkröte im Badeanzug verpasst haben: Seid froh. Meine Würde arbeitet noch an der vollständigen Rehabilitation.
Ein weiterer gefährlicher Satz lautet:
„Wir renovieren das Haus erst einmal ein bisschen.“
Ein bisschen.
Ha!
Ich dachte dabei an Farbe.
Ein paar Wände.
Vielleicht hier und da etwas ausräumen.
Ein bisschen hübsch machen.
Altgold selbstverständlich.
Was ich offenbar tatsächlich meinte, war:
Dach reparieren, Garten freilegen, Heizkonzept entwickeln, Brennholz organisieren, Kohle einlagern, Räume planen, Möbel vermessen, Umzugsfirmen kontaktieren, Möbellifte diskutieren und nebenbei herausfinden, wie man einen alten Küchenherd und einen Uroma-Küchenschrank irgendwann möglichst unfallfrei von A nach B bekommt.
Aber ansonsten:
ein bisschen renovieren.
🏡 Willkommen im Jahre 1607
Unser zukünftiges Zuhause in Glehn ist alt.
Nicht:
„Ach, das Häuschen ist aber schön alt.“
Sondern wirklich alt.
Baujahr 1607.
Wenn dieses Haus erzählen könnte, würde es vermutlich bei manchen unserer heutigen Probleme nur müde mit den Balken knarzen.
Vierhundert Jahre überstanden – und dann kommen wir.
Seitdem laufen wir mit Maßband, Farbkarten und immer neuen Ideen durch die Räume und erklären einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus, wie wir uns seine Zukunft vorstellen.
Das Haus hört geduldig zu.
Noch.
Ich habe allerdings den Verdacht, dass es längst eine eigene Meinung dazu hat.
🎨 Ich will Gold!
Eines der vermeintlich unkomplizierteren Themen war Farbe.
Wir wollten unter anderem wissen, wie wir aus weißer Farbe unser Salbeigrün bekommen.
Vernünftige Frage.
Dann kamen wir auf einen Goldton.
Und irgendwann war sämtliche Differenzierung meinerseits beendet.
Meine fachlich ausgesprochen präzise Anweisung lautete:
„Ich will Gold.“
Nicht Gelb.
Nicht Beige.
Nicht irgendein warmes Ocker.
Altgold. Ganz klar.
Es gibt Entscheidungen im Leben, über die kann man lange diskutieren.
Und dann gibt es Claudia.
Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Wenn ich schon in einem Haus von 1607 sitze, darf wenigstens irgendwo etwas aussehen, als hätte es die vergangenen vier Jahrhunderte mit Würde überstanden.
🌳 Verwildertes Biotop sucht Platz, Licht & Luft
Dann wäre da der Garten.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen:
Wir haben einen Garten.
Theoretisch.
Praktisch ist es momentan eher ein Stück Natur, das irgendwann beschlossen hat:
„Menschen? Brauchen wir hier nicht.“
Also suchen wir jetzt jemanden, der diesem verwilderten Biotop wieder ein bisschen Platz, Licht und Luft verschafft.
Und nein – ich möchte daraus keinen englischen Schlosspark machen.
Das würde auch überhaupt nicht zu uns passen.
Natur darf Natur bleiben.
Aber irgendwann möchte ich gerne erkennen können, wo der Garten aufhört und die Wildnis beginnt.
Und vielleicht wäre es auch ganz praktisch, Wege wieder als solche identifizieren zu können.
Gerade in meinem Fall.
Meine persönliche Beziehung zu herumliegenden Hindernissen ist schließlich bereits hinreichend dokumentiert.
🌧️ Ein Dach mit überraschender Zusatzfunktion
Auch unser Anbaudach möchte gerne mitreden.
Dort kommt nämlich Wasser herein.
Was bei einem Dach zugegebenermaßen eine eher ungünstige Produkteigenschaft ist.
Unser Wunsch war ausgesprochen bescheiden:
Bitte einmal so reparieren, dass wir trocken durch Herbst und Winter kommen.
Im Frühjahr können wir dann in Ruhe überlegen, was grundsätzlich mit dem Dach passieren soll.
Der Dachdecker meldete sich sogar.
Wir freuten uns.
Es wurden Nachrichten ausgetauscht.
Und dann …
…
hören wir die Grillen zirpen.
Noch haben wir die Hoffnung allerdings nicht aufgegeben. Sein Kollege kennt offenbar noch ein paar Alternativen.
Und inzwischen habe ich ohnehin verstanden:
Bei diesem Haus braucht man keinen Plan A.
Man braucht Plan A bis F und mindestens einen Menschen, der jemanden kennt, der jemanden kennt.
🔥 Und wie heizt man eigentlich 1607?
Natürlich beschäftigten wir uns irgendwann auch mit der vollkommen unwichtigen Kleinigkeit:
Wie bekommen wir das Haus im Winter warm?
Und plötzlich führte ich Gespräche über Dinge, von denen ich vor einigen Monaten nicht gedacht hätte, dass sie einmal einen nennenswerten Teil meines Tages ausfüllen würden.
Holzbriketts.
Kohlebriketts.
Buche.
Eiche.
Schüttraummeter.
Paletten.
Öfen.
Elektrische Fußbodenheizung.
Durchlauferhitzer.
Lagerflächen.
Ich weiß inzwischen, was ein Paket Holzbriketts kostet.
Ich weiß, was Kohle kostet.
Ich weiß ungefähr, wie lange bestimmte Mengen reichen.
Und ich weiß:
Wir brauchen eine Garage.
Zum Glück haben wir eine.
Irgendwo müssen schließlich die Vorräte hin, falls wir uns entschließen, den Winter 2026 nicht ausschließlich durch gegenseitige Körperwärme zu überstehen.
Das könnte bei Scooby zwar durchaus funktionieren.
Bei mir wäre ich mir nicht so sicher.
🚚 Der Umzug, der noch gar keiner ist
Eigentlich ziehen wir noch gar nicht um.
Das ist der besonders schöne Teil.
Wir sind lediglich dabei, alles vorzubereiten.
Trotzdem beschäftige ich mich inzwischen mit Umzugsfirmen.
Denn wenn dieser Tag irgendwann kommt, gibt es ein paar Gegenstände, bei denen ich lieber vorher wissen möchte, wie zur Hölle sie von dort nach hier kommen sollen.
Da wäre beispielsweise ein Schrank, der offenbar beschlossen hat:
„Mich baut niemand auseinander.“
Dann gibt es einen alten Küchenherd.
Einen Uroma-Küchenschrank.
Treppen.
Absätze.
Obergeschosse.
Und die immer häufiger auftauchende Vokabel:
Möbellift.
Inzwischen bekommen die ersten Firmen unsere Listen.
Und vermutlich sitzen dort Menschen, lesen sie und denken:
„Ach. Ein ganz normaler Umzug.“
Bis sie beim Küchenherd ankommen.
Deshalb lasse ich mir das Ganze lieber vorher ansehen.
Ich möchte am Umzugstag nämlich möglichst wenige Männer hören, die vor einem Möbelstück stehen und sagen:
„Oh.“
Dieses „Oh“ ist im Handwerk selten ein gutes Zeichen.
📖 Und dann waren da plötzlich noch die Wurmkins …
Als wäre unser reales Haus von 1607 momentan nicht schon ausreichend beschäftigt damit, Geschichten zu produzieren, musste ich selbstverständlich noch ein zweites Haus eröffnen.
In einem Buch.
Und eigentlich fing auch das vollkommen harmlos an.
Eine Idee.
Ein altes Haus am Waldrand.
Eine Oma.
Zwei Kinder.
Eine Standuhr, die ausgerechnet bei 11:43 Uhr ein ausgesprochen merkwürdiges Eigenleben entwickelt.
Und die Wurmkins.
Daraus wurde mein neues Buch:
„Mit diesem Buch stimmt etwas nicht.“
Und inzwischen stimmt mit diesem Buch tatsächlich einiges nicht.
Uhren bleiben stehen, laufen rückwärts oder machen sonst Dinge, die eine vernünftige Uhr besser unterlassen sollte. Im Garten tauchen Hinweise auf. Alltägliche Dinge bekommen plötzlich eine zweite Bedeutung. Und irgendwann weiß man selbst nicht mehr so genau, ob Oma eigentlich nur gemütlich in ihrem Sessel sitzt und strickt – oder längst viel mehr weiß, als sie den Kindern erzählt.
Das Problem dabei:
Ich wollte eigentlich nur eine Geschichte schreiben.
Ihr kennt inzwischen diesen Satz.
Natürlich wurde daraus kein kleines Büchlein.
Es wurde eine ganze Welt.
Mit Rätseln, Hinweisen, Geheimnissen und inzwischen so vielen miteinander verbundenen Fäden, dass wir gerade sorgfältig darauf achten müssen, auch wirklich jeden einzelnen wieder aufzulösen.
Denn bei einer Sache hört bei mir der Spaß auf:
offene Enden.
Wenn ich am Schluss eines Buches noch fünf ungeklärte Fragen habe, möchte ich den Autor persönlich aufsuchen.
In diesem Fall wäre das ausgesprochen unpraktisch.
Ich müsste mich selbst besuchen.
Also werden die Rätsel gelöst.
Alle.
Und während ich tagsüber versuche, ein echtes altes Haus in Glehn bewohnbar zu machen, sitze ich nachts gedanklich in einem anderen alten Haus und überlege, warum eine Standuhr unbedingt 11:43 anzeigen muss.
Man könnte auch sagen:
Andere Menschen renovieren ein Haus. Ich renoviere tagsüber eins und erfinde nachts noch eins dazu.
Normal kann schließlich jeder.
🐕 Und Scooby?
Der neue Leiter unserer Abteilung Vorratskontrolle hat sich inzwischen natürlich ebenfalls weiter eingearbeitet.
Ihr erinnert euch:
Samstag eingezogen.
Sonntag Leckerchenlager gefunden.
Damit war seine Probezeit im Grunde abgeschlossen.
Inzwischen hat er uns allerdings auch ein bisschen Sorgen gemacht, sodass wir mit ihm beim Tierarzt waren und erst einmal Ruhe angesagt ist.
Deshalb bekommt er momentan keinen neuen verantwortungsvollen Aufgabenbereich.
Was ihn selbstverständlich nicht daran hindert, seinen bisherigen weiterzuführen.
Die Qualitätskontrolle der Lebensmittel funktioniert offenbar auch im Schonbetrieb.
Wie Scoobys Beteiligung am späteren Umzug aussehen wird, bleibt abzuwarten.
Bailey könnte den Transporter bewachen.
Scooby kontrolliert die Kartons.
Und ich sehe mich jetzt schon irgendwo rufen:
„WER HAT DIE HUNDELECKERCHEN EINGEPACKT?“
Während Scooby in einer Ecke ausgesprochen zufrieden kaut.
💻 Wir wollten eigentlich nur Google Meet einbinden
Während zu Hause beziehungsweise im zukünftigen Zuhause das Chaos wächst, läuft Orenda natürlich ganz ruhig und entspannt weiter.
🤣
Wir mussten nämlich Amelia, unser Buchungssystem, noch fertig konfigurieren.
Und da dachte ich:
Google Meet wäre doch praktisch.
Online-Termin buchen.
Link bekommen.
Fertig.
Wie schwer kann das sein?
Falls ihr euch irgendwann dabei erwischt, diese Frage zu stellen:
Lasst es.
Es folgten:
Google Cloud.
Ein Projekt.
APIs.
OAuth.
Client-ID.
Client-Geheimnis.
Weiterleitungs-URLs.
Berechtigungen.
Und irgendwann saß ich vor meinem Bildschirm und fragte nur noch:
„Jetzt soll ich ein Rechnungskonto erstellen???“
Ich wollte einen Link.
EINEN LINK!
🤣
Inzwischen besitzen wir jedenfalls ein Google-Projekt namens Orenda Amelia.
Das klingt ausgesprochen professionell.
Fast so, als hätten wir genau gewusst, was wir tun.
Man muss den Menschen ja nicht alles erzählen.
Außer natürlich im Wochenwahnsinn.
🌐 Und wo wir schon einmal dabei waren …
Bei dieser Gelegenheit fiel natürlich noch auf, dass wir auch unsere Orte und Online-Angebote in Amelia vernünftig einpflegen müssen.
Denn spätestens mit den kommenden Veränderungen wird online für uns noch wichtiger.
Und weil wir nach November erst einmal nicht mit einem normalen Praxisbetrieb planen können, brauchen wir für die ersten Monate zusätzliche gute Online-Veranstaltungen.
Kleine Veranstaltungen.
Etwa 45 Minuten.
Bezahlbar.
Interessant.
Mit Zeit für Fragen.
Also sagte ich sinngemäß:
„Wir brauchen noch ein paar richtig gute Online-Events.“
Ein vollkommen harmloser Satz.
Ihr kennt inzwischen das Problem.
Kurze Zeit später planten wir selbstverständlich schon Januar, Februar und März.
Der Orenda-Virus ist weiterhin nicht unter Kontrolle.
💸 50 Stück? Das macht dann bitte …
Ein weiteres kleines Abenteuer war unsere Vorbereitung auf die Girls Night.
Wir wollten nämlich Informationsmaterial mitnehmen.
Schönes Material.
Zum Anfassen.
Zum Mitnehmen.
Dann sahen wir uns die Druckpreise an.
Und plötzlich wurde aus:
„Wir könnten 150 Exemplare drucken lassen.“
sehr schnell:
„Wir könnten vielleicht auch einfach gar nichts essen diesen Monat.“
🤣
Also haben wir weitergedacht.
Und genau daraus entstand am Ende eine Lösung, die mir sogar wesentlich besser gefällt.
Wir lassen kostenlose Visitenkarten drucken.
Darauf kommen drei QR-Codes:
Journal. Magazin. Academy.
Dazu unsere Webseite.
Wer sich interessiert, kann direkt mit dem Handy dorthin gehen, wo er weiterlesen möchte.
Keine Papierberge.
Keine hundert Euro Druckkosten für Material, das womöglich anschließend irgendwo liegen bleibt.
Manchmal muss eine Idee eben erst zu teuer werden, bevor man auf die bessere kommt.
🌳 Und plötzlich brauchte ich auch noch eine neue Visitenkarte
Natürlich blieb es nicht bei den QR-Karten.
Iris hatte nämlich eine neue Visitenkarte für sich gestaltet.
Und fragte mich:
„Was soll eigentlich auf deiner stehen?“
Eine einfache Frage.
Theoretisch.
Praktisch begann damit die nächste Redaktionssitzung.
Partnerberatung sollte stärker in den Vordergrund.
Archaische Medizin.
Die Academy muss drauf.
Der Baum.
Vielleicht zwei ineinander verschlungene Herzen.
Und natürlich ein Satz, der zu mir passt.
Bitte nicht:
„Für Menschen, die wieder in Verbindung leben wollen.“
Da rollen sich mir schon beim Schreiben die Fußnägel hoch.
🤣
Ich möchte Menschen erreichen, die wieder zu sich selbst finden wollen.
Das ist ein Unterschied.
Und irgendwann hatten wir tatsächlich etwas, bei dem ich dachte:
Ja. Das bin ich.
Manchmal dauert eine Visitenkarte bei uns eben ungefähr so lange wie anderswo eine Unternehmensgründung.
🌿 Währenddessen läuft Orenda einfach weiter
Und das ist vielleicht das eigentlich Verrückte an diesen Wochen.
Während wir renovieren.
Handwerker suchen.
Heizung planen.
Umzugsfirmen kontaktieren.
Holzpreise vergleichen.
Google-APIs bekämpfen.
QR-Karten entwickeln.
Visitenkarten entwerfen.
Und Scooby davon überzeugen, dass „Selbstständigkeit“ Grenzen hat …
… läuft Orenda weiter.
Das Magazin erscheint.
Podcasts werden produziert.
Die Academy wächst.
Veranstaltungen werden vorbereitet.
Unsere Webseiten werden weiterentwickelt.
Und irgendwo sitzt garantiert gerade jemand und wartet auf den nächsten Beitrag.
Christina zum Beispiel.
Die hat nämlich bereits angemerkt, dass der Wochenwahnsinn noch nicht fertig ist.
🤣
Liebe Christina:
Hier ist er.
Ich war nur kurz renovieren.
☕ „Nur noch schnell …“
Vielleicht sollte ich langsam zwei Formulierungen vollständig aus meinem Wortschatz streichen.
Die erste lautet:
„Ich wollte eigentlich nur …“
Und die zweite:
„Das machen wir noch schnell.“
Denn beides endet bei mir zuverlässig mit:
drei neuen Projekten,
fünf Telefonaten,
einer Einkaufsliste,
27 geöffneten Browser-Tabs
und irgendwann der Frage:
„Wie sind wir eigentlich hier gelandet?“
Aber vielleicht ist genau das auch der Grund, warum mir dieser ganze Wahnsinn trotz allem Freude macht.
Denn zwischen alten Balken, neuen Ideen, Hunden, Kartons, Kaffee und gelegentlicher Verzweiflung entsteht gerade etwas Neues.
Unser zukünftiges Zuhause verändert sich.
Orenda verändert sich.
Wir verändern uns.
Nicht alles funktioniert beim ersten Versuch.
Manche Menschen melden sich nicht zurück.
Manche Pläne müssen geändert werden.
Manche Lösungen entstehen erst, weil die ursprüngliche Idee überhaupt nicht funktioniert.
Und manchmal ist genau der Umweg am Ende der bessere Weg.
Vielleicht muss eben nicht immer alles sofort fertig sein.
Es reicht manchmal schon, wenn man weiß:
Wir sind unterwegs.
Und solange irgendwo noch Kaffee steht, wird uns vermutlich auch eine Lösung einfallen.
Bis zum nächsten Wochenwahnsinn.
Eure Claudia 🌿☕🏡🐕
P.S.:
Wir wollten eigentlich nur renovieren.
Was soll also schon passieren?
…
Nein.
Diesen Fehler mache ich kein zweites Mal. 😇


