☕ Blick hinter die Kulissen von Orenda
Es gibt Fortsetzungsgeschichten, die plant man. Und dann gibt es unsere.
Der letzte Wochenwahnsinn hieß „Ich wollte eigentlich nur renovieren …“. Das war vor zwei Wochen. Seitdem war Christina eine ganze Woche bei uns und einer der Gründe dafür war tatsächlich: Wir wollten streichen.
Wir hatten also einen Plan. Wir hatten Zeit. Wir hatten Verstärkung. Wir hatten Farbe. Was sollte da noch schiefgehen?
Nun ja.
Kennt ihr Orenda?
🎨 Eine Woche zum Streichen
Christina kam. Und wir legten los.
Nicht mit Streichen natürlich.
Wir arbeiteten. Wir planten, gingen noch Sachen einkaufen, die vergessen worden waren, und organisierten teilweise auch alte Überlegungen aus, um neuen Platz zu machen. Wir führten Gespräche, kümmerten uns um das Meisterseminar und machten eigentlich den ganzen Tag irgendetwas.
Nur eines erstaunlich konsequent nicht:
streichen.
Jeden Tag konnte man sich aber hervorragend sagen: „Morgen.“
Morgen fahren wir nach Glehn. Morgen nehmen wir die Küche in Angriff. Morgen wird gestrichen.
Das Schöne an „morgen“ ist ja: Es kommt jeden Tag wieder. Man kann es also erstaunlich lange verwenden.
Und irgendwann saßen wir da und stellten fest: Christina ist jetzt seit über einer Woche hier.
Die Arbeitsleistung dieser Woche konnte sich wirklich sehen lassen.
Nur leider nicht an den Wänden.
📚 Wenigstens einer arbeitet seinen Plan einfach ab
Während wir meisterhaft darin waren, unsere Renovierungspläne täglich einen weiteren Tag in die Zukunft zu verschieben, zeigte uns ausgerechnet unser Meisterschüler, wie das eigentlich funktioniert.
Der arbeitet sich nämlich fleißig und konsequent durch die Academy. Lektion für Lektion, Aufgabe für Aufgabe. Und wenn er in diesem Tempo weitermacht, steht schon bald sein erster Präsenzunterricht nach dem vollständig bearbeiteten ersten Modul an.
Keine Ablenkung. Kein „Wir könnten vorher vielleicht noch …“. Kein neues Buch zwischendurch und keine spontane Idee, aus der drei Stunden später eine komplette neue Reihe entstanden ist.
Der Mann arbeitet einfach seinen Plan ab.
Ich beobachte dieses Verhalten mit großem Interesse.
Vielleicht sollten wir ihn irgendwann fragen, wie das geht.
🍎 Ein Meisterseminar und ein Kuchen, der nicht im Garten wuchs
Am Samstag hatten wir außerdem Präsenz-Meisterseminar mit Nicole, Claudia und Christina. Dazu gab es Keto-Apfelkuchen aus dem eigenen Garten.
Und bevor jetzt jemand fragt: Die Äpfel waren aus dem eigenen Garten. Nicht der Kuchen.
Der wuchs dort nicht. Obwohl ich unserem Garten inzwischen einiges zutrauen würde.
Und dann geschah etwas, das für den Wochenwahnsinn eigentlich vollkommen uninteressant wäre, wenn es bei uns nicht inzwischen so außergewöhnlich wäre: Es passierte nichts.
Wir hatten Unterricht, wir arbeiteten, redeten und aßen Kuchen. Niemand fiel irgendwo hinein oder herunter. Kein Hund fraß die Seminarunterlagen. Keine Software verlangte eine Client-ID. Es tauchte keine seit Ewigkeiten verschollene Brille auf.
Einfach ein ganz normaler Tag.
Ich war kurz versucht, Fieber zu messen.
📚 Während wir nicht gestrichen haben, sind zwei Bücher erschienen
Und jetzt wird es ein bisschen absurd.
Während Christina und ich seit Tagen ankündigten, dass wir nun aber wirklich bald mit dem Streichen anfangen würden, haben es im Hintergrund gleich zwei Bücher bis in den Handel geschafft.
Ja.
Zwei.
Offenbar kann ich Bücher schneller fertigstellen als Küchenwände.
📖 „Mit diesem Buch stimmt etwas nicht“
Die Wurmkins sind tatsächlich draußen.
Vor einigen Wochen gab es da lediglich eine Idee: ein altes Haus am Waldrand, eine Oma, zwei Kinder, eine merkwürdige Standuhr, die beharrlich 11:43 Uhr zeigt, eine Welt über unserer, eine unter unserer – und Wesen, bei denen zunächst einmal niemand so genau weiß, was es eigentlich mit ihnen auf sich hat.
Die Wurmkins.
Aus dieser Idee wurde eine Geschichte. Aus der Geschichte wurde ein Buch. Und dieses Buch kann jetzt tatsächlich von Menschen gekauft und gelesen werden, die ich überhaupt nicht kenne.
Das ist jedes Mal ein merkwürdiger Moment. So lange gehört eine Geschichte nur einem selbst. Man kennt jede Figur, jede Ecke des Hauses und jedes Geheimnis. Und plötzlich können fremde Menschen diese Welt betreten.
Menschen, die hoffentlich irgendwann auf ihrem Sofa sitzen, eine Seite umblättern und denken:
„Moment mal … mit diesem Buch stimmt wirklich etwas nicht.“
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🇩🇪 Und Patient Deutschland hat die Praxis ebenfalls verlassen
Als wäre ein neues Buch nicht genug, hat inzwischen auch „Deutschland, wir müssen mal reden“ das Licht der Buchwelt erblickt.
Dabei wollte ich überhaupt kein politisches Buch schreiben.
Wirklich nicht.
Ich hatte schließlich ein Kinderbuch, ein Magazin, eine Academy, eine Praxis, ein Haus von 1607, das renoviert werden möchte, und mittlerweile einen Hund, der eigenständig an der Unterkellerung unseres derzeitigen Gartens arbeitet.
Objektiv betrachtet hätte das reichen können.
Dann fiel ein Satz. Irgendwo in meinem Kopf machte es Klick – und wenig später lag Deutschland auf meiner imaginären Behandlungsliege.
Was als satirischer Blick auf ein paar gesellschaftliche Merkwürdigkeiten begann, entwickelte sich mit der für mich inzwischen typischen Zurückhaltung. Steuern, Sozialstaat, Gesundheit, Wohnen und allerlei Dinge, bei denen man irgendwann nicht mehr weiß, ob man lachen, weinen oder vorsichtshalber noch einen Kaffee kochen soll.
Eigentlich sollte es ein paar Kapitel geben. Schön bissig, humorvoll und zum Nachdenken.
Ihr kennt mich inzwischen.
Zwischendurch waren wir bei ungefähr 950 Seiten.
Ich habe offenbar Schwierigkeiten mit der Definition von „ein paar Kapitel“.
Deutschland bekam also keine kurze Untersuchung, sondern offenbar eine Ganzkörperbehandlung.
Danach wurde gekürzt, sortiert und wieder gekürzt. Und nun ist aus diesem Gedankenexperiment tatsächlich ein Buch geworden. Keine Anleitung, was irgendjemand denken soll, sondern eine satirische Einladung, Gewohntes einmal umzudrehen, Fragen zu stellen und über manche unserer gesellschaftlichen Konstruktionen auch lachen zu dürfen.
Oder anders gesagt:
„So, Deutschland. Wo tut’s denn eigentlich weh?“
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🐕 Scooby Doo – Knutschkugel, Schuhdieb und Tiefbauunternehmer
Und dann wäre da noch unser jüngstes Familienmitglied.
Scooby hat sich hervorragend eingelebt. Vielleicht ein bisschen zu hervorragend.
Nachdem er innerhalb kürzester Zeit unseren Leckerchenvorrat gefunden hatte, war bereits klar: Dieser Hund wartet nicht darauf, dass ihm jemand die Welt erklärt. Er erschließt sie sich selbst.
Dabei hat er offenbar eine entscheidende Information über seine eigene körperliche Entwicklung verpasst. Scooby wiegt ungefähr 35 Kilogramm. In Scoobys Selbstwahrnehmung dürfte er allerdings irgendwo zwischen Chihuahua und handlicher Wärmflasche liegen.
Er ist nämlich ein Schoßhund.
Das weiß nur der Schoß noch nicht.
Wenn Scooby beschließt, dass jetzt gekuschelt wird, kommen eben 35 Kilogramm Knutschkugel auf einen zu. Und wenn er kommt, dann ganz sicher mit nasser Schnauze.
Die wird einem selbstverständlich möglichst unvermittelt ins Gesicht gedrückt. Liebe ist bei Scooby eben nicht nur bedingungslos.
Sie ist feucht.
Ob der Mensch darunter noch sämtliche Körperteile bewegen oder ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann, scheint eher ein organisatorisches Detail zu sein.
Dazu kommt eine neue Leidenschaft für meine Birkenstocks. Ich stelle zwei Schuhe hin, möchte sie später anziehen – und einer ist weg.
Nicht beide. Das wäre wenigstens konsequent.
Einer.
Also suche ich. Und irgendwann begegnet mir ein großer zotteliger Hund mit meinem Birkenstock in der Schnauze und einem Gesichtsausdruck, der ungefähr sagt: „Was denn? Der lag da.“
Vielleicht ist das seine Form der Beschäftigungstherapie für Menschen. Andere Hunde bekommen Suchspiele.
Scooby veranstaltet sie für mich.
Seine eigentliche berufliche Zukunft liegt allerdings offenbar im Tiefbau. Scooby gräbt nämlich nicht einfach ein bisschen im Garten. Inzwischen entstehen dort Löcher, die teilweise fast einen Meter tief sind.
Ich weiß nicht, wohin er möchte. Vielleicht nach Australien. Vielleicht sucht er die Wurmkins. Vielleicht hat er von unserem Umzug gehört und baut vorsorglich einen Fluchttunnel.
Da wir hier ohnehin irgendwann ausziehen, sehe ich das zunehmend pragmatisch. Der nächste Mieter bekommt nicht einfach einen Garten, sondern eine unterirdische Freizeitanlage.
Wenn Scooby in diesem Tempo weitermacht, braucht der im nächsten Sommer keinen Pool.
Wasser ins Loch. Leiter dran. Fertig.
Immobilienwert gesteigert. Gern geschehen.
🎨 Und dann geschah das Unfassbare
Nach einer ganzen Woche, in der wir sehr erfolgreich alles Mögliche erledigt hatten – außer dem, was wir eigentlich erledigen wollten –, war es gestern schließlich so weit.
Christina und ich fuhren nach Glehn.
Mit Farbe. Mit Werkzeug. Mit guten Vorsätzen.
Und diesmal geschah tatsächlich etwas, womit inzwischen vermutlich niemand mehr gerechnet hatte:
WIR HABEN GESTRICHEN!
Die Küche.
Und jetzt kommt der eigentliche Hammer: Wir sind sogar fertig geworden.
Nicht „fast“. Nicht „eine Wand fehlt noch“. Nicht „die Decke machen wir beim nächsten Mal“.
Fertig.
Nach all dem Planen, Schreiben, Organisieren, Büchererfinden und „Morgen fahren wir aber wirklich nach Glehn“ haben tatsächlich zwei Frauen einen Farbeimer geöffnet und dessen Inhalt bestimmungsgemäß an Wänden und Decke angebracht.
Wir können offenbar doch renovieren.
Wer hätte das gedacht?
Vor dem Deckenstreichen hatte ich ja gewisse Befürchtungen. Ich sah Christina und mich am Abend bereits aus dem Haus kommen: Küche weiß, Decke weiß, Gesichter weiß, Haare weiß.
Zwanzig Jahre älter, aber fertig.
Ganz so schlimm kam es glücklicherweise nicht. Wobei ich weiterhin überzeugt bin, dass Deckenstreichen zu den Tätigkeiten gehört, bei denen irgendwann einmal ein Mensch nach oben gesehen und gedacht haben muss:
„Wie könnte ich mir heute möglichst effektiv Nacken, Arme und gute Laune ruinieren?“
Aber die Küche ist fertig.
Damit hätten vernünftige Menschen vermutlich aufgehört.
Wir nicht.
🧱 Jetzt sind die Wände nackig
Denn nachdem wir wochenlang Schwierigkeiten hatten, überhaupt mit der Renovierung anzufangen, war plötzlich offenbar irgendein Schalter umgelegt.
Also gingen wir ins zukünftige Empfangszimmer. Dort war Tapete.
War. 
Die kam runter.
Und jetzt sind die Wände nackig.
Die Wände. Nur damit hier keine Missverständnisse entstehen.
Aber damit nicht genug. Im Wohnzimmer hing diese merkwürdige Streifentapete.
Betonung auf:
hing.
Denn auch die hat unseren Arbeitseinsatz nicht überlebt.
Damit haben wir innerhalb eines Tages nicht nur die Küche fertig gestrichen, sondern gleich zwei weitere Räume in einen Zustand versetzt, in dem es nun definitiv kein Zurück mehr gibt.
Wo vorher Tapete war, ist jetzt Wand.
Sehr viel Wand. 
Sehr nackte Wand.
Und plötzlich haben wir ein vollkommen neues Problem. Vorher konnten wir wochenlang sagen:
„Wir müssen endlich anfangen.“
Jetzt haben wir angefangen.
Verdammt.
Jetzt müssen wir weitermachen.
🥪 Und dann kam Scoobys Nachtschicht
Eigentlich könnte dieser Wochenwahnsinn damit enden. Schließlich ist inzwischen Dienstagmorgen. Redaktionsschluss nach Orenda-Art. Ich sitze hier, der Kaffee steht vor mir und gleich steht Michi auf.
Seine Brote für die Arbeit waren bereits fertig.
Betonung auf:
waren.
Denn während wir Menschen offenbar endlich gelernt haben, wie man Farbe an Wände bekommt, hat Scooby in der Nacht seine berufliche Entwicklung konsequent fortgesetzt.
Dieser Hund hat ja bereits bewiesen, dass er ein ausgesprochen pragmatisches Verhältnis zu Eigentumsfragen besitzt.
Leckerchen? Selbstbedienung.
Birkenstocks? Gemeinschaftseigentum.
Garten? Tiefbaugebiet.
Und nun:
Michaels Arbeitsbrote.
Die hat Scooby heute Nacht gefressen.
Und Ersatzbrot haben wir natürlich keines mehr. Das hatte Christina mitgenommen.
Damit sitze ich nun hier. Der Kaffee für Michi ist fertig. In wenigen Minuten steht ein Mann auf, der morgens ungefähr zehn Minuten für seinen Kaffee hat.
Seine Brote sind weg.
Und der Täter dürfte irgendwo ausgesprochen satt und zufrieden liegen.
Ich erwarte einen harmonischen Start in den Tag.
Scooby hingegen kann seinem Lebenslauf inzwischen weitere Qualifikationen hinzufügen: Leckerchendieb, Birkenstock-Logistiker, Tiefbauunternehmer und nun Fachkraft für nächtliche Brotentsorgung.
Dieser Hund ist noch gar nicht lange bei uns.
Ich möchte wirklich nicht wissen, was der bis Weihnachten kann.
☕ Vielleicht ist genau das unser Leben
Wenn ich auf die vergangenen zwei Wochen schaue, ist erstaunlich viel passiert.
Wir wollten streichen – und haben es am Ende tatsächlich getan. Wir haben geplant, organisiert, Unterricht gegeben und Keto-Apfelkuchen gegessen. Ein Meisterschüler arbeitet sich fleißig durch sein erstes Modul. Zwei Bücher haben es in den Handel geschafft. Die Küche ist fertig, das Empfangszimmer und das Wohnzimmer haben ihre Tapeten verloren, und Scooby hat sich in kürzester Zeit ein berufliches Portfolio aufgebaut, für das andere mehrere Fortbildungen benötigen.
Vielleicht ist das gar kein Chaos.
Vielleicht ist es einfach unser Leben.
Es läuft selten genau so, wie wir es morgens geplant haben. Dafür entstehen unterwegs Bücher, Ideen, Gespräche und neue Wege. Manchmal verschwindet dabei ein Birkenstock. Manchmal eine Tapete.
Und manchmal sogar das Frühstück.
Aber solange wir am Ende noch darüber lachen können, ist wahrscheinlich mehr gelungen, als es zwischendurch aussieht.
Nun muss dieser Wochenwahnsinn wirklich online.
Denn gleich steht Michi auf.
Und ich muss ihm irgendwie erklären, warum es zu seinem Kaffee heute leider keine Brote gibt.
Falls ihr also irgendwo einen großen dunklen zotteligen Hund seht, der heute Morgen ausgesprochen zufrieden aussieht und euch begeistert mit nasser Schnauze begrüßt:
Er hatte bereits Frühstück.
Bis zum nächsten Wochenwahnsinn.
Eure Claudia 🌿☕🐕📖🎨
P.S.: Als Nächstes sind die nackigen Wände dran.
Was soll also schon schiefgehen?
…
Nein.
Den Satz kennen wir inzwischen. 😇


