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Vielleicht warst du mit Freunden unterwegs.

Ihr habt Kaffee getrunken, erzählt, gelacht. Für ein paar Stunden war es leicht. Du hast gar nicht darüber nachgedacht, ob du gerade traurig sein solltest oder nicht.

Du warst einfach da.

Und auf dem Heimweg merkst du plötzlich:

Das war ein richtig schöner Nachmittag.

Eigentlich ein guter Gedanke.

Und trotzdem kann sich gleich ein zweiter dazugesellen:

Darf das überhaupt schon wieder sein?

Vielleicht kennst du dieses merkwürdige Gefühl. Als würde die eigene Freude nicht so recht zu dem Menschen passen, der doch eigentlich trauert.

Wenn das Lachen plötzlich zurückkommt

Manchmal passiert es ganz unvermittelt.

Jemand erzählt etwas Lustiges und du lachst.

Nicht dieses höfliche kleine Lächeln, das wir manchmal aufsetzen, weil jemand sich Mühe gibt.

Sondern richtig.

Vielleicht so sehr, dass dir die Tränen kommen.

Und für diesen Moment ist da einfach nur Freude.

Bis du dich daran erinnerst, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist.

Manchmal kippt dann etwas.

Vielleicht wird aus dem Lachen plötzlich Weinen.

Oder es kommt dieser kleine Stich:

Wie kann ich lachen, obwohl du nicht mehr hier bist?

Aber vielleicht ist die wichtigere Frage eine ganz andere:

Warum solltest du es nicht dürfen?

Trauer und Freude sind keine Gegenspieler

Wir tun manchmal so, als müsste ein Gefühl verschwinden, damit ein anderes Platz bekommt.

Erst traurig.

Und irgendwann wieder glücklich.

Aber das Leben ist selten so ordentlich.

Du kannst jemanden vermissen und gleichzeitig einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Du kannst traurig sein und dich trotzdem auf einen Besuch freuen.

Du kannst morgens mit Tränen aufwachen und nachmittags über etwas lachen.

Das eine macht das andere nicht weniger wahr.

Vielleicht müssen wir uns gar nicht entscheiden zwischen Trauer oder Lebensfreude.

Vielleicht darf es irgendwann wieder beides geben.

„Aber was würde dieser Mensch denken?“

Vielleicht hast du dich das auch schon gefragt.

Was würde der Mensch, der gestorben ist, davon halten, dass du wieder ausgehst?

Dass du verreist?

Dass du dir etwas Schönes kaufst?

Dass du Pläne machst?

Oder irgendwann vielleicht sogar einen neuen Menschen kennenlernst?

Darauf kann niemand eine allgemeingültige Antwort geben.

Jede Beziehung war anders.

Aber eines finde ich wichtig:

Dein Leben ist nicht mit dem Leben eines anderen Menschen zu Ende gegangen.

Es hat sich verändert.

Vielleicht sogar grundlegend.

Aber es ist noch da.

Und du bist es auch.

Es geht nicht darum, „wieder die Alte“ oder „wieder der Alte“ zu werden

Vielleicht wirst du das auch gar nicht.

Erfahrungen verändern uns.

Schöne genauso wie schwere.

Manches, was früher wichtig war, interessiert dich vielleicht heute weniger.

Andere Dinge sind wichtiger geworden.

Vielleicht hast du weniger Geduld mit Oberflächlichkeiten.

Vielleicht möchtest du deine Zeit bewusster verbringen.

Oder du merkst plötzlich, dass du Dinge nicht länger auf irgendwann verschieben möchtest.

Das muss nicht bedeuten, dass aus einem Verlust „etwas Gutes“ entstehen muss.

Diesen Gedanken finde ich manchmal sogar ziemlich unfair.

Nicht jeder Schmerz braucht einen Sinn.

Aber du darfst trotzdem schauen, was du mit deinem Leben machen möchtest, das jetzt vor dir liegt.

Vielleicht beginnt Lebensfreude ganz unspektakulär

Es muss nicht gleich die große Reise sein.

Vielleicht schmeckt morgens der Kaffee wieder richtig gut.

Du hörst Musik und lässt sie einfach laufen.

Du stehst im Garten und bemerkst, dass etwas blüht.

Du kaufst dir spontan Erdbeeren.

Du freust dich darauf, jemanden zu sehen.

Oder du sitzt abends auf dem Sofa und stellst irgendwann fest:

Heute war eigentlich ein guter Tag.

Solche Momente können anfangs klein sein.

Vielleicht bemerkst du sie kaum.

Aber irgendwann werden es möglicherweise mehr.

Nicht jeden Tag.

Und sicherlich nicht nach einem festen Zeitplan.

Doch sie dürfen kommen.

Du nimmst niemandem etwas weg, wenn du wieder lebst

Vielleicht ist das der Gedanke, den ich besonders wichtig finde.

Ein schöner Tag löscht keinen gemeinsamen Tag aus.

Ein neues Erlebnis überschreibt keine Erinnerung.

Ein Lachen macht deine Trauer nicht weniger echt.

Und Lebensfreude sagt nichts darüber aus, wie wichtig dir ein Mensch gewesen ist.

Du musst nicht traurig bleiben, um zu beweisen, dass du geliebt hast.

Liebe braucht diesen Beweis nicht.

Vielleicht kommt irgendwann sogar der Moment, in dem du einen schönen Tag einfach schön sein lassen kannst.

Ohne ihn anschließend zu hinterfragen.

Ohne schlechtes Gewissen.

Ohne das Gefühl, jemandem damit untreu zu werden.

Dann ist der Mensch, der fehlt, nicht vergessen.

Er gehört weiterhin zu deiner Geschichte.

Aber daneben entsteht etwas, das ebenfalls zu dir gehört:

dein Leben, das noch vor dir liegt.

Und vielleicht darfst du irgendwann wieder neugierig darauf sein.

Herzlichst
Iris

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