Pläne sind eine wunderbare Sache.
Sie geben Struktur und dieses angenehme Gefühl, ungefähr zu wissen, was als Nächstes passieren soll.
Manchmal reicht dafür schon eine kleine Liste. Vor allem dann, wenn vieles gleichzeitig ansteht oder etwas auf keinen Fall vergessen werden darf: einkaufen, zwei Telefonate, etwas am Computer erledigen, eine Runde mit dem Hund und vielleicht noch ein bisschen schreiben.
Sieht machbar aus.
Meistens jedenfalls am Anfang.
Und dann ist da noch das Leben.
Ein Telefonat dauert länger als gedacht. Beim Einkaufen fällt einem ein, was man unbedingt noch mitnehmen wollte – und zu Hause stellt man fest, dass man ausgerechnet das vergessen hat, weswegen man eigentlich losgefahren ist.
Der Hund hat möglicherweise ebenfalls Pläne. Nur leider andere.
Und aus dem berühmten „Das mache ich eben noch schnell“ wird erstaunlich oft etwas, das mit „eben“ und „schnell“ nur noch wenig zu tun hat.
Am Ende des Tages ist vielleicht einiges erledigt.
Anderes nicht.
Und manchmal schleicht sich dann dieses merkwürdige Gefühl ein, man hätte den Tag nicht richtig genutzt.
Dabei ist das eigentlich eine seltsame Rechnung.
Denn vieles von dem, was einen Tag ausmacht, lässt sich überhaupt nicht abhaken.
Ein gutes Gespräch steht auf keiner Liste. Der Moment, in dem man draußen plötzlich stehen bleibt, weil die Luft nach Herbst riecht, auch nicht. Ebenso wenig die halbe Stunde, die man länger mit jemandem gesprochen hat, weil man gespürt hat: Der Mensch braucht gerade jemanden, der zuhört.
Und schon gar nicht steht dort, dass man vielleicht einfach müde war und eine Pause gebraucht hat.
Wir planen, weil wir unserem Leben eine Richtung geben möchten.
Und das ist gut so.
Pläne helfen uns, Dinge anzupacken. Sie geben Orientierung. Manchmal geben sie uns sogar Mut, weil aus einem vagen „Irgendwann möchte ich …“ plötzlich ein konkretes „Ich fange damit an“ wird.
Schwierig wird es erst, wenn aus einem Plan unbemerkt ein Maßstab wird.
Wenn wir anfangen, einen gelungenen Tag daran zu messen, wie viel wir geschafft haben.
Oder ein gelungenes Leben daran, ob es ungefähr so geworden ist, wie wir es uns einmal vorgestellt haben.
Denn das wird es erstaunlich selten.
Wir planen einen Beruf – und irgendwann passt er nicht mehr zu uns.
Wir glauben zu wissen, wie und wo wir leben möchten – und Jahre später wünschen wir uns etwas ganz anderes.
Menschen kommen in unser Leben, mit denen wir nicht gerechnet haben. Andere gehen, obwohl wir fest damit gerechnet hatten, dass sie bleiben.
Manche Türen öffnen sich.
Andere bleiben hartnäckig zu.
Und gelegentlich stehen wir vor einer Tür, von der wir nicht einmal wussten, dass es sie gibt.
Vielleicht verändert sich mit den Jahren deshalb auch unser Verhältnis zu Plänen.
Nicht unbedingt, weil sie unwichtiger werden.
Sondern weil wir irgendwann verstanden haben, dass wir längst nicht alles in der Hand haben.
Das kann beunruhigend sein.
Es kann aber auch entlasten.
Denn wenn nicht alles planbar ist, muss auch nicht jede Abweichung bedeuten, dass etwas schiefgelaufen ist.
Vielleicht hat sich nur etwas verändert.
Vielleicht haben wir uns verändert.
Was einmal unbedingt erreicht werden sollte, ist plötzlich gar nicht mehr so wichtig. Dafür werden Dinge wertvoll, über die man früher kaum nachgedacht hat.
Zeit.
Ruhe.
Freiheit.
Menschen, bei denen man sein kann, wie man ist.
Etwas zu tun, weil es einem wirklich etwas bedeutet – und nicht, weil man glaubt, es tun zu müssen.
Und vielleicht auch die Freiheit, einen alten Plan anzuschauen und zu sagen:
Nein. Das möchte ich heute nicht mehr.
Das ist kein Scheitern.
Es kann auch bedeuten, dass man sich selbst ein Stück nähergekommen ist.
Ich brauche nicht für jeden Tag einen Plan.
Und eine Liste schon gar nicht.
Aber wenn vieles gleichzeitig ansteht oder etwas wirklich wichtig ist, hilft es mir, die Dinge zu sortieren. Dann steht da schwarz auf weiß, was nicht untergehen sollte.
Vielleicht ist genau das die richtige Aufgabe eines Plans:
Er darf uns Orientierung geben, aber er muss uns nicht vorschreiben, wie der Tag – oder das Leben – zu verlaufen hat.
Denn manches lässt sich planen.
Manches kommt dazwischen.
Und manches entsteht überhaupt erst, weil wir nicht alles geplant haben.
Vielleicht sollte deshalb auf jeder wichtigen Liste noch ein wenig Platz bleiben.
Nicht unbedingt für einen weiteren Punkt.
Sondern für das Leben.

Herzlichst
Iris

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