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Du stehst im Supermarkt und greifst gerade nach der Milch.

Im Hintergrund läuft Musik. Eigentlich hörst du gar nicht richtig hin. Du überlegst, was du noch brauchst, suchst in deiner Tasche nach dem Einkaufszettel und bist mit deinen Gedanken irgendwo ganz anders.

Bis dieses eine Lied beginnt.

Und plötzlich ist da nicht mehr nur ein Lied.

Da ist ein Mensch.

Vielleicht eine Autofahrt. Ein gemeinsamer Urlaub. Ein Abend in der Küche. Oder irgendein völlig unspektakulärer Sonntag, von dem du damals niemals gedacht hättest, dass du dich Jahre später noch daran erinnern würdest.

Für einen kurzen Moment ist alles wieder da.

Und vielleicht kommen dir mitten zwischen Milchregal und Tiefkühltruhe die Tränen.

So schnell kann das gehen.

Erinnerungen fragen nicht, ob es gerade passt

Natürlich gibt es die Tage, von denen wir vorher wissen, dass sie schwierig werden könnten.

Geburtstage. Weihnachten. Der Todestag. Vielleicht ein Hochzeitstag.

Auf solche Tage kann man sich zumindest ein wenig einstellen.

Aber dann gibt es diese anderen Momente.

Du gehst an einem Haus vorbei.

Jemand trägt dasselbe Parfüm.

Du hörst einen bestimmten Satz.

Du findest beim Aufräumen einen alten Zettel.

Oder jemand erzählt eine Geschichte und plötzlich fällt dir etwas ein, woran du seit Jahren nicht mehr gedacht hast.

Das kann einen ganz schön aus der Bahn werfen.

Vor allem dann, wenn du eigentlich dachtest, dass es dir inzwischen wieder ganz gut geht.

Vielleicht fragst du dich anschließend sogar:

Warum trifft mich das denn immer noch so?

Vielleicht gerade deshalb, weil Erinnerungen nicht nach Kalender funktionieren.

Ein Mensch, mit dem wir einen Teil unseres Lebens verbracht haben, verschwindet nicht einfach aus unserer Geschichte.

Und vielleicht muss er das auch gar nicht.

Manchmal kommen mit den Tränen auch schöne Erinnerungen zurück

Es gibt nämlich noch eine andere Seite.

Vielleicht hörst du dieses Lied und musst plötzlich lächeln.

Weil dir wieder einfällt, wie furchtbar schief er immer mitgesungen hat.

Vielleicht findest du ein Foto und denkst nicht zuerst an den Tod, sondern daran, was für ein herrlicher Tag das damals war.

Oder jemand erzählt eine Geschichte über den Menschen, den du vermisst, und auf einmal sitzt ihr zusammen und lacht.

Richtig laut.

Vielleicht fühlt sich das im ersten Moment sogar merkwürdig an.

Darf eine Erinnerung an einen Menschen, der gestorben ist, eigentlich lustig sein?

Natürlich darf sie das.

Ein Leben besteht schließlich nicht nur aus seinem Ende.

Da waren all die Jahre davor.

Die kleinen Geschichten.

Die Macken.

Die gemeinsamen Erlebnisse.

Die Dinge, über die man sich fürchterlich aufregen konnte und die einem später vielleicht ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

All das gehört genauso zu diesem Menschen wie der Abschied.

Vielleicht verändert sich nicht die Erinnerung, sondern das Gefühl darum herum

Am Anfang kann eine Erinnerung unglaublich weh tun.

Ein Foto anzuschauen ist vielleicht kaum möglich.

Ein bestimmtes Lied wird sofort ausgeschaltet.

An manchen Orten möchtest du lieber nicht vorbeigehen.

Und irgendwann geschieht vielleicht etwas ganz Leises.

Du siehst dasselbe Foto wieder.

Der Mensch fehlt noch immer.

Aber neben dem Vermissen ist plötzlich noch etwas anderes.

Dankbarkeit vielleicht.

Oder Wärme.

Oder einfach der Gedanke:

Wie schön, dass wir das erlebt haben.

Das lässt sich nicht erzwingen.

Und es gibt keinen Zeitpunkt, an dem das so sein müsste.

Aber es kann passieren.

Vielleicht ist genau das eine der tröstlicheren Seiten von Erinnerungen.

Sie bleiben nicht immer so schmerzhaft, wie sie sich heute anfühlen.

Du darfst dich erinnern, wie du möchtest

Manche Menschen stellen viele Fotos auf.

Andere können das lange nicht.

Manche erzählen gerne Geschichten.

Andere behalten ihre Erinnerungen lieber für sich.

Es gibt Menschen, die bestimmte Orte immer wieder besuchen. Und andere, die genau diese Orte meiden.

Auch hier gibt es kein richtig oder falsch.

Vielleicht möchtest du heute in alten Bildern stöbern und morgen die Schublade lieber geschlossen lassen.

Beides darf sein.

Du musst aus Erinnerungen kein Ritual machen.

Du musst sie nicht festhalten.

Und du musst sie auch nicht wegschieben.

Sie gehören zu deinem Leben.

Und manchmal wartet eine Erinnerung einfach irgendwo auf dich

Vielleicht morgen beim Autofahren.

In drei Monaten beim Aufräumen.

Oder irgendwann wieder im Supermarkt.

Du kannst nicht bestimmen, wann sie auftaucht.

Aber vielleicht verändert sich mit der Zeit etwas:

Nicht jede Erinnerung zieht dir mehr den Boden unter den Füßen weg.

Manche setzen sich irgendwann einfach für einen Moment zu dir.

Und manche bringen sogar ein Lächeln mit.

Vielleicht ist das kein Zeichen dafür, dass du weniger vermisst.

Vielleicht ist es vielmehr ein Zeichen dafür, dass neben dem Abschied langsam wieder mehr von dem sichtbar wird, was vorher war:

ein gemeinsam gelebtes Stück Leben.

Und das darf bleiben.

 

Herzlichst

Iris

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